Wenn Vergangenheit Geschichte ist - Eine Familiengeschichte, eingebettet in die Geschehnisse des 20. Jahrhunderts
Die überarbeitete Fassung als e-book im neuen Gewand
Hanna
Elisa fliegt gemeinsam mit ihrem Mann in den Mittleren Osten, um ihre Tochter
und das neugeborene Enkelkind zu besuchen. Auf dem langen Flug führen die
Gedanken sie in eine Zeit, die sie nur aus Erzählungen ihres Vaters und ihres
Großvaters kennt, verfangen sich in den unruhigen Zeiten ihres eigenen Beginns.
Es
begann alles auf einer Hochzeit, als die fröhliche Lilli dem Marinesoldaten
Hardy begegnete, der einst ausgesandt wurde die Welt zu erobern. Der ehemalige
U-Boot Funker Hardy, Sohn eines Bergarbeiters oft nur knapp dem Tod auf den
Weltmeeren entronnen und Lilli, ein unbekümmertes rheinisches Mädchen, planten
voller Zuversicht ihre gemeinsame Zukunft. Tatkraft und Ideenreichtum,
Optimismus und Humor prägten ihre Taten, die sie auch die schwierigsten Zeiten
überstehen lässt. Hanna Elisa erlebte zwei Welten. Da war Lillis Familie,
angeführt von Jakob, dessen hohes Ansehen im Dorf ihn zum Berater der
Unsicheren machte. Von ihm lernte Hanna Elisa schon früh, sich einzumischen und
die streng katholische Großmutter, die dem Kind nicht erlaubte am Morgen vor
dem Beten zu singen. Im Ruhrgebiet lebten Hardys Eltern, unpolitisch und nicht
nur zu Jakobs Entsetzen waren sie einst Befürworter Hitlers Politik. Erst als
die Auswirkung des Krieges auch ihre Familie erreichte entstanden Zweifel. Hier erlebte Hanna Elisa Urlaubstage ohne
Fesseln, Zusammentreffen der Nachbarschaft auf der Bank unter dem Fliederbaum,
gemeinsames Musizieren, Toleranz - aber auch das Auseinandergehen der
langjährigen Gemeinschaften, als der Fernseher seinen Siegeszug antrat.
Leseprobe
Hanna
Elisas Vater kam im Spätherbst 1945 nach der Entlassung aus britischer
Kriegsgefangenschaft als Verlobter von Jakob und Sophias Tochter Lilli ins Haus
seiner zukünftigen Schwiegereltern. Freudig hatte Jakob Weihnachten 1944 der
Verlobung seiner jüngsten Tochter zugestimmt und mit Hilfe der gesamten
Verwandtschaft das Fest so aufwendig gestaltet, wie die Zeit und die
notwendigen Einschränkungen es zuließen, denn Jakob war überzeugt, es lohnte
sich wieder in die Zukunft zu planen und wagte vorauszusagen,
„Das
ist das letzte Weihnachtsfest dieses Krieges und damit ist auch das Ende von
Hitlers Regime absehbar! Wir sehen besseren Zeiten entgegen.“
Sophia hoffte, Jakob würde Recht behalten,
mahnte aber zur Vorsicht. Noch war Hitler an der Macht und unbedachte
Äußerungen hatten schon anderen geschadet. Man konnte nie wissen, wie sein
Gegenüber dachte und das Gehörte nutzen würde.
In kommenden Jahren fragte Hannas Vater sich
oft, war es Dummheit, Verantwortungsbewusstsein oder Treue, dass er nach der
Gefangenschaft zu Lilli zurückkehrte und andere Möglichkeiten der
Lebensgestaltung unbesonnen verstreichen ließ.
Als
der Krieg sich im Februar 1945 seinem Ende näherte, Großadmiral Dönitz seine
U-Boote nicht mehr zu Himmelfahrtskommandos in die Weltmeere entsandte, der
Lebensraum um Hardy, der bereits in Schutt und Asche lag, sich in ein
unübersehbares Chaos verwandelte, hielt er sich in der Nähe von Hamburg auf.
Einzelheiten
des Tages, an dem er sich vom Militärdienst verabschiedete, kurz entschlossen
seine Einheit verließ, den Befehl, sich am Endkampf zu beteiligen missachtend,
hatte er über die rasant aufeinander folgenden Ereignisse vergessen. Im Gegensatz
zu seinen Vorgesetzten glaubte er schon lange nicht mehr an die Möglichkeit,
die immer näher rückenden Alliierten aus dem am Boden liegenden Deutschland
noch in letzter Minute vertreiben zu können. In Erinnerung geblieben war ihm
nur ein kurzer Ausschnitt dieses Tages, der in seinen Träumen immer wieder
kehren würde.
Er
stand am Rand eines lichten Wäldchens, vor ihm lag eine freie weite Wiese.
Trotz der pausenlos in seine Richtung fallenden Schüsse stand er unbeweglich
und wagte es nicht, aus dem Grün des Buschwerks herauszutreten. Erst als der
Windzug einer vorbei fliegenden Gewehrkugel sein Ohr streifte, setze er einen
Fuß auf die Wiese und ohne über die Folgen nachzudenken begann er zu rennen. Er
rannte, behindert durch den auf seinem Rücken festgeschnallten prall gefüllten
Rucksack und den dicken feldgrauen Marinemantel, den er erst vor wenigen Tagen
für den Bodeneinsatz zugeteilt bekam und an diesem Morgen zum ersten Mal
angezogen hatte, so schnell über das leicht ansteigende Gelände wie in seinem
ganzen Leben noch nicht. Die hinter den Bäumen und Büschen lauernden Schützen
verstärkten den Angriff auf den allein in weiter Flur rennenden Hardy und
schossen pausenlos weiter und Hardy rannte und rannte auf den in unendlicher
Ferne liegenden Wald zu, der an das Feld angrenzte mit dem Wissen, eine bessere
Zielscheibe, als er den Tommys bot, hätten sie nirgendwo bekommen können.
Während er rannte und links und rechts von
ihm die Gewehrschüsse in den Boden einschlugen, griff seine Hand fester um das
Gewehr, das vollkommen nutzlos über seiner Schulter hing. Fast hätte er
gelacht. Aber Luftmangel hinderte ihn daran. Und immer noch fielen links und
rechts von ihm die Schüsse und er war davon überzeugt, sein Leben hing nur von
der Schnelligkeit seiner Beine und der schlechten Qualität der feindlichen
Gewehre ab. Indem er rannte schweiften seine Gedanken in die Vergangenheit. Der
fröhlich klingende Refrain eines längst vergessen geglaubten Kinderliedes, das
vor eintausendundzwanzig Jahren Morgen für Morgen in seinem Kindergarten
gesungen wurde, dröhnte in seinen Ohren,
„links,
rechts, links, rechts,
Säbel
an der Seite, Schulter das Gewehr
und
mit großer Freude marschieren wir daher
links, rechts, links, rechts“
und
er erkannte, warum er sich schon als kleiner Knirps dagegen gesträubt hatte,
das Lied zu singen.
„Oh
Gott, lass die Tommys daneben schießen!“
„Junge,
Tempo, Tempo!“
feuerte
er sich an, noch schneller zu laufen.
Nie war es ihm so gegenwärtig, die Kugel war
schneller als der Schall. Aber was nutzte dieses Wissen, die an ihm vorbei
fliegende Kugel steckte bereits irgendwo
im Boden, wenn er sie hörte, aber was passierte mit der nächsten?
Es blieb ihm keine Zeit darüber nachzudenken.
Die kühle Morgenluft griff die Atemwege an, Bronchien und Lungen schmerzten.
Der Wald näherte sich und wieder pfiff eine Kugel an seinem Kopf vorbei. Hardy
schmiss sich in das von Wind, Schnee und Regen nieder gedrückte Gras des
vergangenen Herbstes. Atemlose Stille. Er lauschte.
Wahrhaftig, die Tommys glaubten, ihn getroffen
zu haben. Es wurde nicht mehr auf ihn geschossen. Erst in diesem Augenblick
wurde ihm bewusst, er hatte nicht nur ein Gewehr, er hielt auch eine
Panzerfaust in der Hand. Vorsichtig sah er sich um, robbte ein paar Meter
weiter und ließ sie in eine Bodensenke gleiten,
„Genug
des Heldentums!“
und
da die Schießpause anhielt und sein Atem sich beruhigt hatte, richtete er sich
vorsichtig auf, und lief los, und lief und lief, lief seinen Häschern
und ihren Gewehren in den dicht mit Unterholz bewachsenen Wald davon.
Noch
nach Jahrzehnten spürte er die Angst, den Zorn und die Ernüchterung, wenn er
sich daran erinnerte, dass der Wald ihm auch nicht die Sicherheit bot, die er
sich erhofft hatte, denn dort stand ein Panzer, umringt von deutschen Soldaten
und er wurde aufgefordert, sich zu einem zweiten in der Nähe stehenden Panzer
zu begeben, um gemeinsam mit ihnen ein für alle Mal den Feind aus Deutschland
zu vertreiben.
Indem Hardy bereits vor Jahren die Taktik der
Machthaber durchschaute, die die eigenen Kriegsberichterstatter dazu
missbrauchten durch Falschmeldungen die jungen Soldaten zu motivieren,
unerschrocken in den Kampf für eine bessere Welt zu ziehen, versank für alle
Zeit sein Glauben an die Mächtigen in den Tiefen der Meere, begleitet von den
Schreien ertrinkender Feinde und Freunde.
Hätten sie nur annähernd so viele U-Boote
besessen, wie Hitler seinem Volk zu Beginn des Krieges verkündete, wäre England
vom Nachschub abgeschnitten worden. Aber so? Nur ein Drittel der vorhandenen
Boote befanden sich auf Feindfahrt, ein weiteres Drittel war zum Auftanken auf
Kurs in den Heimathafen, das letzte Drittel lag zur Reparatur in der Werft und
als er mit der U-2 zu seiner ersten
Feindfahrt abkommandiert wurde, besaß die Deutsche Kriegsmarine insgesamt zwölf
einsatzbereite U-Boote. Beim Anblick der fanatischen jungen Soldaten, die jetzt
noch bereit waren für die Vertreibung des Feindes Gesundheit und Leben zu
opfern, dachte er an die Euphorie zurück, mit der er und seine Kameraden zum
Unternehmen „Seelöwe“ anrückten, das in den ersten Monaten des Krieges
gestartet wurde. Auf Hitlers Befehl wurden sämtliche auch im privaten Besitz
befindliche Motorboote, auch die allerkleinsten, auf der Ostsee zusammen
geführt. Die Bootseigner, als
Maschinisten angeheuert, vereidigt und in Uniformen gesteckt, blieben auf ihrem
Boot. Keiner kannte die vorhandene Technik besser als sie. Sie nahmen Kurs auf
England, erhielten den Befehl, die Insel zu isolieren, hielten Ausschau nach
einem Feind, der sich nicht zeigte und verbrachten erholsame Tage auf dem
Wasser. In Ermangelung des echten Feindes baute die Besatzung des Bootes, auf
dem Hardy seinen Dienst versah, unter Anleitung eines „alten Hasen“ Windvögel in vielfältiger Ausfertigung,
entließen sie in die Freiheit und als sie hoch am Himmel standen, ernannten sie
ihre Werke zu Zielscheiben und schossen sie ab. Ihre Unerfahrenheit ließ zu,
dass sie es bedauerten, als die Operation noch vor der ersten Feindberührung
abgebrochen wurde und sie unbeschadet vollzählig wieder in ihre Heimathäfen
einliefen.
„Verdammte Scheiße! Wie viele unsinnige
Befehle ich schon entgegen genommen habe! Jetzt ist Schluss! Mich haben sie
genug verarscht“.
Hardy hatte die Kriegsjahre körperlich
unversehrt überstanden. Sollte er noch in den letzten Kampftagen sinnlos sein
Leben in Gefahr bringen? Hatte er nicht erst vor wenigen Minuten beschlossen
kein Held zu sein?
Nein, er war neugierig auf eine Zukunft, die
er selber gestalten würde, in die er nicht einplante, als Befehlsempfänger
einer Obrigkeit zu dienen, die zum Wohle des Volkes nur die eigenen
Vorstellungen durchsetzten und missachtete diese und weitere Aufforderungen
sich kleinen Kampftrupps anzuschließen und er lief abermals, entfernte sich von
den Panzern, dem Kampf und weiteren Schüssen und stolperte in sein ureigenes
Leben hinein.
Bereits einen Tag später saß er in
Zivilkleidung, seine Uniform hatte er gut versteckt und würde ihm in geänderter
Form in den nächsten Jahren noch gute Dienste leisten, in der Küche eines
großen Bauernhofes und lauschte ungläubig den Worten der Bäuerin, die ihm
erzählte, dass seit Beginn des Krieges russische Zwangsarbeiter bei ihnen
lebten, die das Großdeutsche Reich bei der Machterweiterung mit ihrem Einsatz
unterstützen sollten und jetzt besorgt fragten, wo sie ihr weiteres Leben
verbringen würden.
Nach den langen Jahren des Krieges liebten
die Russen die norddeutsche Landschaft, die deutsche Sprache und Kultur und
keiner von ihnen wollte in die stalinistische Sowjetunion zurück und ihnen wäre
es recht, könnten sie in Deutschland bleiben.
Wie viel Leben hatte Hardy in den Jahren auf
dem Wasser versäumt?
Mit
wenigen Worten gab der Bauer zu verstehen, er hat Platz, Arbeit und Nahrung für jeden, der in
dem augenblicklichen Durcheinander den
Weg zu ihm fand.
Vor
gar nicht langer Zeit wurde auf Befehl des Militärs in einem nahe gelegenen
Bunker mit größter Diskretion ein reichhaltiges Lebensmittellager angelegt,
bestimmt für die den Endsieg herbeiführenden Soldaten.
„Viele
meiner Erzeugnisse liegen in den dunklen Gemäuern. Wem nützen sie, wenn nicht uns! Die Sorge um
den Endsieg hat sich glücklicherweise
erledigt und unsere Soldaten werden von
den Tommys ernährt. Also schaden wir niemanden, wenn sie in unsere knurrenden
Bäuche wandern“.
In diesen Tagen nun, in denen das
Großdeutsche Reich zusammenbrach, fanden die Vorräte endlich den Weg in den
Kochtopf und die Gestrandeten, Soldaten, Flüchtlinge, Obdachlosen und Zwangsarbeiter, die den Hof für sich als
Unterschlupf entdeckten und bereit waren, bei den anfallenden Arbeiten mit
anzufassen konnten bleiben, Atem schöpfen in der Stille der Landschaft. Alle
wurden satt.
Die
meisten von ihnen kamen aus dem zerbombten Hamburg. Schauspieler, Schriftsteller, Journalisten, Techniker,
Professoren, Handwerker, eine bunt zusammen gewürfelte Gesellschaft setzte sich
zu den Mahlzeiten mit Knechten und Mägden an einen Tisch. Selbst für die
Verwöhnten und Ungeschickten gab es zu tun. Sie putzten Gemüse, schälten
Kartoffel, wuschen und bügelten die Wäsche, halfen die Tiere zu füttern und
misteten die Ställe aus.
In den Trümmern von Remagen aufgewachsen habe ich mir seit frühester Kindheit Gedanken zum Krieg gemacht, ob von Staatshäuptern oder Industriellen ausgehend, ob der Krieg sich gegen den Menschen richtet oder gegen die Natur. (die letztendlich immer beide betroffen sind) Die Entwicklung der Waffen spricht nicht von Intelligenz sondern von Verblendung und Selbstverliebtheit.
Mein Fazit, kein Krieg ohne Religion, Gier, Dummheit, Kurzsichtigkeit, Überheblichkeit. Kein Krieg ohne die Denkweise der Krupps, Thyssen und Quandts.... Auf allen Kontinenten unserer Erde fehlt Geld für Bildung und Nahrung, aber nirgendwo für Waffen. Still und leise wurde während der letzten Fußballweltmeisterschaft die Luftwaffe der Bundeswehr für Milliarden aufgerüstet, vor wenigen Wochen wurden wieder Milliardenbeträge bewilligt. Sind wir bereit wieder zu töten?
Leid über die Menschheit zu bringen?
Wo bleibt der Aufschrei des Volkes??
Und gleichzeitig wachsen in unserem reichen Land Kinder in Armut auf, hungern, Bildung bleibt ihnen versagt, kein Geld für Kita und Ganztagsschulen. (Ein gebildetes Volk ist nicht manipulierbar) Die unteren Einkommengruppen werden von unseren Machthabern immer höher belastet, läßt die Reichen noch reicher werden.
Es ist Zeit aufzustehen, aber wer beginnt?


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