Montag, 19. Dezember 2011

Die Geschichte einer Familie

Wenn Vergangenheit Geschichte ist - Eine Familiengeschichte, eingebettet in die Geschehnisse des 20. Jahrhunderts

Die überarbeitete Fassung als e-book im neuen Gewand






 Der Klappentext


Hanna Elisa fliegt gemeinsam mit ihrem Mann in den Mittleren Osten, um ihre Tochter und das neugeborene Enkelkind zu besuchen. Auf dem langen Flug führen die Gedanken sie in eine Zeit, die sie nur aus Erzählungen ihres Vaters und ihres Großvaters kennt, verfangen sich in den unruhigen Zeiten ihres eigenen Beginns.
Es begann alles auf einer Hochzeit, als die fröhliche Lilli dem Marinesoldaten Hardy begegnete, der einst ausgesandt wurde die Welt zu erobern. Der ehemalige U-Boot Funker Hardy, Sohn eines Bergarbeiters oft nur knapp dem Tod auf den Weltmeeren entronnen und Lilli, ein unbekümmertes rheinisches Mädchen, planten voller Zuversicht ihre gemeinsame Zukunft. Tatkraft und Ideenreichtum, Optimismus und Humor prägten ihre Taten, die sie auch die schwierigsten Zeiten überstehen lässt. Hanna Elisa erlebte zwei Welten. Da war Lillis Familie, angeführt von Jakob, dessen hohes Ansehen im Dorf ihn zum Berater der Unsicheren machte. Von ihm lernte Hanna Elisa schon früh, sich einzumischen und die streng katholische Großmutter, die dem Kind nicht erlaubte am Morgen vor dem Beten zu singen. Im Ruhrgebiet lebten Hardys Eltern, unpolitisch und nicht nur zu Jakobs Entsetzen waren sie einst Befürworter Hitlers Politik. Erst als die Auswirkung des Krieges auch ihre Familie erreichte entstanden Zweifel.  Hier erlebte Hanna Elisa Urlaubstage ohne Fesseln, Zusammentreffen der Nachbarschaft auf der Bank unter dem Fliederbaum, gemeinsames Musizieren, Toleranz  -  aber auch das Auseinandergehen der langjährigen Gemeinschaften, als der Fernseher seinen Siegeszug antrat.






Leseprobe



Hanna Elisas Vater kam im Spätherbst 1945 nach der Entlassung aus britischer Kriegsgefangenschaft als Verlobter von Jakob und Sophias Tochter Lilli ins Haus seiner zukünftigen Schwiegereltern. Freudig hatte Jakob Weihnachten 1944 der Verlobung seiner jüngsten Tochter zugestimmt und mit Hilfe der gesamten Verwandtschaft das Fest so aufwendig gestaltet, wie die Zeit und die notwendigen Einschränkungen es zuließen, denn Jakob war überzeugt, es lohnte sich wieder in die Zukunft zu planen und wagte vorauszusagen,
„Das ist das letzte Weihnachtsfest dieses Krieges und damit ist auch das Ende von Hitlers Regime absehbar! Wir sehen besseren Zeiten entgegen.“
  Sophia hoffte, Jakob würde Recht behalten, mahnte aber zur Vorsicht. Noch war Hitler an der Macht und unbedachte Äußerungen hatten schon anderen geschadet. Man konnte nie wissen, wie sein Gegenüber dachte und das Gehörte nutzen würde.
  In kommenden Jahren fragte Hannas Vater sich oft, war es Dummheit, Verantwortungsbewusstsein oder Treue, dass er nach der Gefangenschaft zu Lilli zurückkehrte und andere Möglichkeiten der Lebensgestaltung unbesonnen verstreichen ließ.
Als der Krieg sich im Februar 1945 seinem Ende näherte, Großadmiral Dönitz seine U-Boote nicht mehr zu Himmelfahrtskommandos in die Weltmeere entsandte, der Lebensraum um Hardy, der bereits in Schutt und Asche lag, sich in ein unübersehbares Chaos verwandelte, hielt er sich in der Nähe von Hamburg auf.
Einzelheiten des Tages, an dem er sich vom Militärdienst verabschiedete, kurz entschlossen seine Einheit verließ, den Befehl, sich am Endkampf zu beteiligen missachtend, hatte er über die rasant aufeinander folgenden Ereignisse vergessen. Im Gegensatz zu seinen Vorgesetzten glaubte er schon lange nicht mehr an die Möglichkeit, die immer näher rückenden Alliierten aus dem am Boden liegenden Deutschland noch in letzter Minute vertreiben zu können. In Erinnerung geblieben war ihm nur ein kurzer Ausschnitt dieses Tages, der in seinen Träumen immer wieder kehren würde.
Er stand am Rand eines lichten Wäldchens, vor ihm lag eine freie weite Wiese. Trotz der pausenlos in seine Richtung fallenden Schüsse stand er unbeweglich und wagte es nicht, aus dem Grün des Buschwerks herauszutreten. Erst als der Windzug einer vorbei fliegenden Gewehrkugel sein Ohr streifte, setze er einen Fuß auf die Wiese und ohne über die Folgen nachzudenken begann er zu rennen. Er rannte, behindert durch den auf seinem Rücken festgeschnallten prall gefüllten Rucksack und den dicken feldgrauen Marinemantel, den er erst vor wenigen Tagen für den Bodeneinsatz zugeteilt bekam und an diesem Morgen zum ersten Mal angezogen hatte, so schnell über das leicht ansteigende Gelände wie in seinem ganzen Leben noch nicht. Die hinter den Bäumen und Büschen lauernden Schützen verstärkten den Angriff auf den allein in weiter Flur rennenden Hardy und schossen pausenlos weiter und Hardy rannte und rannte auf den in unendlicher Ferne liegenden Wald zu, der an das Feld angrenzte mit dem Wissen, eine bessere Zielscheibe, als er den Tommys bot, hätten sie nirgendwo bekommen können.
  Während er rannte und links und rechts von ihm die Gewehrschüsse in den Boden einschlugen, griff seine Hand fester um das Gewehr, das vollkommen nutzlos über seiner Schulter hing. Fast hätte er gelacht. Aber Luftmangel hinderte ihn daran. Und immer noch fielen links und rechts von ihm die Schüsse und er war davon überzeugt, sein Leben hing nur von der Schnelligkeit seiner Beine und der schlechten Qualität der feindlichen Gewehre ab. Indem er rannte schweiften seine Gedanken in die Vergangenheit. Der fröhlich klingende Refrain eines längst vergessen geglaubten Kinderliedes, das vor eintausendundzwanzig Jahren Morgen für Morgen in seinem Kindergarten gesungen wurde, dröhnte in seinen Ohren,
„links, rechts, links, rechts,
Säbel an der Seite, Schulter das Gewehr
und mit großer Freude marschieren wir daher
 links, rechts, links, rechts“
und er erkannte, warum er sich schon als kleiner Knirps dagegen gesträubt hatte, das Lied zu singen.
„Oh Gott, lass die Tommys daneben schießen!“
„Junge, Tempo, Tempo!“
feuerte er sich an, noch schneller zu laufen.
  Nie war es ihm so gegenwärtig, die Kugel war schneller als der Schall. Aber was nutzte dieses Wissen, die an ihm vorbei fliegende  Kugel steckte bereits irgendwo im Boden, wenn er sie hörte, aber was passierte mit der nächsten?
  Es blieb ihm keine Zeit darüber nachzudenken. Die kühle Morgenluft griff die Atemwege an, Bronchien und Lungen schmerzten. Der Wald näherte sich und wieder pfiff eine Kugel an seinem Kopf vorbei. Hardy schmiss sich in das von Wind, Schnee und Regen nieder gedrückte Gras des vergangenen Herbstes. Atemlose Stille. Er lauschte.
 Wahrhaftig, die Tommys glaubten, ihn getroffen zu haben. Es wurde nicht mehr auf ihn geschossen. Erst in diesem Augenblick wurde ihm bewusst, er hatte nicht nur ein Gewehr, er hielt auch eine Panzerfaust in der Hand. Vorsichtig sah er sich um, robbte ein paar Meter weiter und ließ sie in eine Bodensenke gleiten,
„Genug des Heldentums!“
und da die Schießpause anhielt und sein Atem sich beruhigt hatte, richtete er sich vorsichtig auf,  und lief  los, und lief und lief, lief seinen Häschern und ihren Gewehren in den dicht mit Unterholz bewachsenen Wald davon.
Noch nach Jahrzehnten spürte er die Angst, den Zorn und die Ernüchterung, wenn er sich daran erinnerte, dass der Wald ihm auch nicht die Sicherheit bot, die er sich erhofft hatte, denn dort stand ein Panzer, umringt von deutschen Soldaten und er wurde aufgefordert, sich zu einem zweiten in der Nähe stehenden Panzer zu begeben, um gemeinsam mit ihnen ein für alle Mal den Feind aus Deutschland zu vertreiben.
  Indem Hardy bereits vor Jahren die Taktik der Machthaber durchschaute, die die eigenen Kriegsberichterstatter dazu missbrauchten durch Falschmeldungen die jungen Soldaten zu motivieren, unerschrocken in den Kampf für eine bessere Welt zu ziehen, versank für alle Zeit sein Glauben an die Mächtigen in den Tiefen der Meere, begleitet von den Schreien ertrinkender Feinde und Freunde.
 Hätten sie nur annähernd so viele U-Boote besessen, wie Hitler seinem Volk zu Beginn des Krieges verkündete, wäre England vom Nachschub abgeschnitten worden. Aber so? Nur ein Drittel der vorhandenen Boote befanden sich auf Feindfahrt, ein weiteres Drittel war zum Auftanken auf Kurs in den Heimathafen, das letzte Drittel lag zur Reparatur in der Werft und als er mit der U-2  zu seiner ersten Feindfahrt abkommandiert wurde, besaß die Deutsche Kriegsmarine insgesamt zwölf einsatzbereite U-Boote. Beim Anblick der fanatischen jungen Soldaten, die jetzt noch bereit waren für die Vertreibung des Feindes Gesundheit und Leben zu opfern, dachte er an die Euphorie zurück, mit der er und seine Kameraden zum Unternehmen „Seelöwe“ anrückten, das in den ersten Monaten des Krieges gestartet wurde. Auf Hitlers Befehl wurden sämtliche auch im privaten Besitz befindliche Motorboote, auch die allerkleinsten, auf der Ostsee zusammen geführt.  Die Bootseigner, als Maschinisten angeheuert, vereidigt und in Uniformen gesteckt, blieben auf ihrem Boot. Keiner kannte die vorhandene Technik besser als sie. Sie nahmen Kurs auf England, erhielten den Befehl, die Insel zu isolieren, hielten Ausschau nach einem Feind, der sich nicht zeigte und verbrachten erholsame Tage auf dem Wasser. In Ermangelung des echten Feindes baute die Besatzung des Bootes, auf dem Hardy seinen Dienst versah, unter Anleitung eines „alten Hasen“  Windvögel in vielfältiger Ausfertigung, entließen sie in die Freiheit und als sie hoch am Himmel standen, ernannten sie ihre Werke zu Zielscheiben und schossen sie ab. Ihre Unerfahrenheit ließ zu, dass sie es bedauerten, als die Operation noch vor der ersten Feindberührung abgebrochen wurde und sie unbeschadet vollzählig wieder in ihre Heimathäfen einliefen.
 „Verdammte Scheiße! Wie viele unsinnige Befehle ich schon entgegen genommen habe! Jetzt ist Schluss! Mich haben sie genug verarscht“.
  Hardy hatte die Kriegsjahre körperlich unversehrt überstanden. Sollte er noch in den letzten Kampftagen sinnlos sein Leben in Gefahr bringen? Hatte er nicht erst vor wenigen Minuten beschlossen kein Held zu sein?
  Nein, er war neugierig auf eine Zukunft, die er selber gestalten würde, in die er nicht einplante, als Befehlsempfänger einer Obrigkeit zu dienen, die zum Wohle des Volkes nur die eigenen Vorstellungen durchsetzten und missachtete diese und weitere Aufforderungen sich kleinen Kampftrupps anzuschließen und er lief abermals, entfernte sich von den Panzern, dem Kampf und weiteren Schüssen und stolperte in sein ureigenes Leben hinein.
  Bereits einen Tag später saß er in Zivilkleidung, seine Uniform hatte er gut versteckt und würde ihm in geänderter Form in den nächsten Jahren noch gute Dienste leisten, in der Küche eines großen Bauernhofes und lauschte ungläubig den Worten der Bäuerin, die ihm erzählte, dass seit Beginn des Krieges russische Zwangsarbeiter bei ihnen lebten, die das Großdeutsche Reich bei der Machterweiterung mit ihrem Einsatz unterstützen sollten und jetzt besorgt fragten, wo sie ihr weiteres Leben verbringen würden.
  Nach den langen Jahren des Krieges liebten die Russen die norddeutsche Landschaft, die deutsche Sprache und Kultur und keiner von ihnen wollte in die stalinistische Sowjetunion zurück und ihnen wäre es recht, könnten sie in Deutschland bleiben.
  Wie viel Leben hatte Hardy in den Jahren auf dem Wasser versäumt?
Mit wenigen Worten gab der Bauer zu verstehen, er hat  Platz, Arbeit und Nahrung für jeden, der in dem augenblicklichen  Durcheinander den Weg zu ihm fand.
Vor gar nicht langer Zeit wurde auf Befehl des Militärs in einem nahe gelegenen Bunker mit größter Diskretion ein reichhaltiges Lebensmittellager angelegt, bestimmt für die den Endsieg herbeiführenden Soldaten.
„Viele meiner Erzeugnisse liegen in den dunklen Gemäuern.  Wem nützen sie, wenn nicht uns! Die Sorge um den  Endsieg hat sich glücklicherweise erledigt und unsere Soldaten werden  von den Tommys ernährt. Also schaden wir niemanden, wenn sie in unsere knurrenden Bäuche wandern“.
  In diesen Tagen nun, in denen das Großdeutsche Reich zusammenbrach, fanden die Vorräte endlich den Weg in den Kochtopf und die Gestrandeten, Soldaten, Flüchtlinge, Obdachlosen  und Zwangsarbeiter, die den Hof für sich als Unterschlupf entdeckten und bereit waren, bei den anfallenden Arbeiten mit anzufassen konnten bleiben, Atem schöpfen in der Stille der Landschaft. Alle wurden satt.
Die meisten von ihnen kamen aus dem zerbombten Hamburg. Schauspieler,  Schriftsteller, Journalisten, Techniker, Professoren, Handwerker, eine bunt zusammen gewürfelte Gesellschaft setzte sich zu den Mahlzeiten mit Knechten und Mägden an einen Tisch. Selbst für die Verwöhnten und Ungeschickten gab es zu tun. Sie putzten Gemüse, schälten Kartoffel, wuschen und bügelten die Wäsche, halfen die Tiere zu füttern und misteten die Ställe aus.





In den Trümmern von Remagen aufgewachsen habe ich mir seit  frühester Kindheit Gedanken zum Krieg gemacht, ob von Staatshäuptern oder Industriellen ausgehend, ob der Krieg sich gegen den Menschen richtet oder gegen die Natur. (die letztendlich immer beide betroffen sind) Die Entwicklung der Waffen spricht nicht von Intelligenz sondern von Verblendung und Selbstverliebtheit. 

Mein Fazit, kein Krieg ohne Religion, Gier, Dummheit, Kurzsichtigkeit, Überheblichkeit. Kein Krieg ohne die Denkweise der Krupps, Thyssen und Quandts.... Auf allen Kontinenten unserer Erde fehlt Geld für Bildung und Nahrung, aber nirgendwo für Waffen. Still und leise wurde während der letzten Fußballweltmeisterschaft die Luftwaffe der Bundeswehr für Milliarden aufgerüstet, vor wenigen Wochen wurden wieder Milliardenbeträge bewilligt. Sind wir bereit wieder zu töten? 
Leid über die Menschheit zu bringen?

Wo bleibt der Aufschrei des Volkes??

Und gleichzeitig wachsen in unserem reichen Land Kinder in Armut auf, hungern, Bildung bleibt ihnen versagt, kein Geld für Kita und Ganztagsschulen. (Ein gebildetes Volk ist nicht manipulierbar) Die unteren Einkommengruppen werden von unseren Machthabern immer höher belastet, läßt die Reichen noch reicher werden. 

Es ist Zeit aufzustehen, aber wer beginnt?




Mond über der Stadt



Ein Turmfalke fliegt ins Badezimmer und ein Mauersegler fällt aus dem Nest




















Titelfotos meiner Blogs







Gestalten entspannt








Gestalten aus Freude